Bio & Tierschutz

Über 300 Siegel und Etiketten mit Aussagen wie "Qualitätsfleisch" oder "geprüfte Markenqualität" zieren im Handel erhältliche Waren. Viele Verbraucher wissen aber natürlich nicht, ob der "gute" Eindruck, den diese Aufdrucke erzeugen, tatsächlich berechtigt ist oder sich eine "Mogelpackung" dahinter verbirgt. Tierfreundliche Verbraucher sollten auf jeden Fall bei tierischen Produkten mindestens auf das bekannte "Bio-Siegel" achten. Dieses staatliche Siegel garantiert, dass in Bezug auf die Tierhaltung die Mindeststandards der EG-Öko-Verordnung eingehalten werden. Im Ökolandbau (die Begriffe "Öko" und "Bio" werden hier als Synonyme verwendet und sind geschützt)

wird auf die natürlichen Bedürfnisse so genannter Nutztiere deutlich mehr Rücksicht genommen als in konventioneller Intensiv- bzw. Massentierhaltung. Die Tiere haben mehr Platz, Einstreu, Luft und Licht im Stall. Geflügel, Rindern und Schweinen soll regelmäßig Auslauf ins Freie gewährt werden. Das Bio-Siegel garantiert, dass überall wo "Bio" draufsteht auch "Bio" drin ist. Neben dem staatlichen Bio-Siegel gibt es noch die Siegel der zahlreichen Bio-Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Biokreis. Unter dem Dach dieser Bio-Anbauverbände haben sich Bauern und andere landwirtschaftliche Produzenten zusammengeschlossen und Erzeugerrichtlinien definiert, die oftmals über die staatlichen europaweit geltenden Mindestrichtlinien hinausgehen. Die Richtlinien der EG-Öko-Verordnung bzw. die der Anbauverbände geben u.a. unterschiedliche Haltungsbedingungen wie Besatzdichte, Gruppengröße, Lichtangebot, Transportbedingungen und Ruhezeiten am Schlachthof vor. In Bezug auf die Tierhaltung ist Bio-Siegel somit nicht gleich Bio-Siegel.

Anm.: Einschätzung und Wertung der Erzeugerrichtlinien in Bezug auf die Tierhaltung nach dem Einkaufsratgeber "Durchblick bei Öko-Siegeln und Bio-Marken" vom Tierschutzverein "PROVIEH".

 


Warum sind Bio-Produkte teurer?
Bio-Lebensmittel sind vergleichsweise zu konventionell produzierten Lebensmitteln (also alle Produkte die kein Bio-Siegel tragen) teilweise deutlich teurer, weshalb viele Konsumenten den Preis als entscheidendes Argument für den Nichtkauf nennen. Für den Preisunterschied sind zwei Faktoren von signifikanter Bedeutung:

1.) Die Herstellung von Öko-Produkten verursacht höhere Kosten durch höhere Prozess- und Produktqualität. Den Tieren im Ökolandbau wird mehr Zeit zum Wachsen (höhere Futterkosten), mehr Platz zum Leben (größere Fläche wird benötigt) und eine bessere Betreuung durch den Menschen geboten (höhere Personalkosten, es werden mehr Arbeitsplätze geschaffen), so entstehen im Vergleich zur konventionellen Massentierhaltung auch deutlich höhere Kosten. Zudem ist der biologische Landbau zahlreichen Studien zufolge mit einer deutlich geringeren Umweltbelastung verbunden, u.a. verminderte Schadstoffbelastung, bessere Bodenqualität, geringere Emissionen von Treibhausgasen, größere Artenvielfalt (Köpcke 2002; Körber et al. 2004). Die gesamten mit dem Anbau verbunden Umweltbelastungen sind bei biologischer Produktionsweise teilweise um mehr als die Hälfte geringer als bei konventioneller (Jungbluth 2000).

2.) Konventionelle Produkte werden zu günstig angeboten, da die höheren Umweltkosten, die durch die intensive Produktion verursacht werden nicht nach dem Verursacherprinzip in die Preise einberechnet werden.
Die Kosten trägt der Steuerzahler, also auch diejenigen, die durch den Kauf von Bio-Produkten eine umweltschonende Produktionsweise bereits unterstützen und hierfür einen höheren Preis bezahlen.

Niedrige Discountpreise gehen somit auf Kosten der Tiere (tierquälerische Massentierhaltung) und der Umwelt (Umwelschäden durch konventionelle Produktionsweise). Letztendlich entscheidet nur der Verbraucher mit seinem Konsumverhalten darüber, wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Hühner und andere Geflügelarten gehalten werden und über das Ausmaß der Umweltzerstörung. Geben auch Sie ihre Stimme gegen die industrielle Massentierhaltung und die Umweltzerstörung durch den Kauf von biologischen Produkten ab!

Lesetipp:
Einkaufsratgeber "Durchblick bei Öko-Siegeln und Bio-Marken" vom Tierschutzverein "PROVIEH" [PDF;1MB]

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