Biofutter

Es ist wie in der Politik oder in der Wirtschaft: Auch da beginnt das neue Denken sich erst ganz allmählich durchzusetzen. So tragen in diesem Test beispielhaft die billigen Hundefutter- Hausmarken von einigen bekannten Discountern die Top-Notierungen nach Hause. Gut, wer sich sein Pfund Schweinefilet selbst nicht mehr als 3,50 Euro kosten lässt, der wird auch die 400 Gramm-Dose Feuchtfutter für 49 Cent bei Rossmann kaufen. „Sehr gut“, du armer Hund! 

Bleibt die Frage, ob den im Test gescheiterten Bio-Anbietern von Hundefutter jetzt die Kunden weglaufen, ob Vertrauen zerstört, das Geschäft beschädigt ist. Es sieht zum Glück nicht danach aus. Offenbar hat der Verbraucher doch differenzieren gelernt und glaubt nicht mehr blind jedem Test. Im Bio-Tierkost Shop haben wir sogar einen Anstieg der Nachfrage registriert, ganz nach dem Motto „jetzt erst recht“.

So bleibt am Ende nur die Einsicht: Auch dieser Test war wieder einmal nicht viel mehr als ein Sturm im Reagenzglas. Und dass der nette Wauzi auf dem Hefttitel der Stiftung Warentest derselbe ist, der auch vom Label eines Billigfutter-Schälchens herunterhechelt – na, aber so ein Zufall!

 

Biofutter: Wenn Tester testen - Sturm im Reagenzglas

Ein Kommentar von Bio-Tierkost zu den "Ergebnissen" des Nassfutter-Tests der Stiftung Warentest.

Große Aufregung im aktuellen Heft der Stiftung Warentest (März 2015): Von 30 getesteten Nassfuttersorten für Hunde fallen 15 komplett durch. Abgestraft. Nicht der Rede wert. Setzen, 5.
 

Bemerkenswert jedoch: In der Schar der als „mangelhaft“ deklarierten Sorten befinden sich auch drei mit Bio-Qualität. Wie ist das möglich? Immerhin handelt es sich um hochwertige Futtersorten mit besten Inhaltsstoffen und ernährungswissenschaftlich überprüften Rezepturen: das vegane Alleinfutter „Dinkel & Zucchini“ von Biopur, die Yarrah-„Bröckchen mit Hagebutten“, ebenfalls vegan, sowie die Dose „Bio-Rind mit Süßkartoffeln“ von Herrmann’s. Letzterem kreideten die Tester an, für ein Alleinfutter enthalte es zu wenig Kalzium, außerdem mangele es an einigen Spurenelementen sowie den Vitaminen B1, D2/D3 und E.

 

Herrmann’s erwidert in einer Pressemitteilung, es entspräche kaum der Firmenphilosophie, ein Futter so lange mit künstlichen Nährstoffen zu versehen, bis es den Vorgaben eines in der Theorie ermittelten Ideals entspräche. Herrmann’s verwende „ausschließlich hochwertigste Erzeugnisse. Zudem legen wir großen Wert darauf, dass keine künstlichen Vitamine oder andere Nahrungsergänzungen Verwendung finden.“ Die seien zwar von den Werten immer schön konstant, entsprächen „aber nicht unseren Vorstellungen in Sachen Natürlichkeit.“ Ja, ist denn nicht auch der Bio-Apfel vom Baum mal ein bisschen röter, mal ein bisschen grüner?

Auch Biopur äußert sich zu den schlechten Noten des Tests, nachdem mit leicht säuerlichem Unterton zunächst vermerkt wird, dass der bemängelte Vitamin D2-Gehalt laut Laborbericht der Stiftung Warentest „überhaupt nicht analysiert“ worden sei.

Weiter geht es mit ernährungswissenschaftlichen Argumenten: Vitamin D werde in der Haut gebildet, und Mangelsymptome träten vorwiegend im Zusammenhang mit einer ungenügenden Versorgung mit Kalzium und Phosphat auf. Da aber beides laut Stiftung Warentest ausreichend verfügbar sei „in unserem Produkt (...), können wir auf Vitaminzufuhren verzichten.“

Auch Vitamin B1 synthetisiere der gesunde Hund im Darm; es muss dem Futter also nicht künstlich beigemengt werden. Biopur erläuternd: „Immer öfter wird auch in Fachkreisen über die Gefährlichkeit von synthetischen Vitaminen diskutiert, zum Beispiel handelt eine komplette Studie der Universität Kopenhagen davon.“

Yarrah gibt sich zerknirscht: Ja, auch bei eigenen Tests habe sich – im Juni/Juli 2014 bereits! – herausgestellt, dass im jetzt beanstandeten Futter der Salzgehalt zu hoch und der an Kalzium zu niedrig gewesen sei. Dies sei umgehend korrigiert worden – nur leider habe die Stiftung Warentest eben alte Proben erwischt.

Den Vorwurf, in den „Bröckchen mit Hagebutten“ seien die Vitamine B1 und B2 nicht nachweisbar, kontert Yarrah: „Natürlich ist in einem vegetarischen/veganen Hundefutter kein D3 nachweisbar, denn Vitamin D3 ist tierischen Ursprungs. Das gesamte Vega-Futter von Yarrah ist komplett fleischlos und enthält folglich kein Vitamin D3.

Yarrah fügt als Ersatz für Vitamin D3 jedoch Vitamin D2 zu, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Den Vitamin D2-Gehalt im Futter durch Laboranalysen zu bestimmen, erweist sich als sehr schwierig. Im Futter selbst ist Vitamin D2 in ausreichender Menge vorhanden, wird aber nach der Vorbereitung zur Untersuchung einer Probe im Labor durch andere vorhandene Hilfsstoffe „absorbiert“ und kann folglich nicht mehr analysiert werden.“

Was zeigt die Diskussion, die leider erst nach Veröffentlichung der Tests geführt wird? So einfach, wie man es sich als Tester sicher gern mal machen möchte, ist die Situation nicht einmal beim Hundefutter. Gerade die nachhaltig denkenden und produzierenden Bio-Anbieter haben ja offensichtlich gute Gründe dafür, keine Zusatzstoffe beizumengen – selbst wenn sie auf der Liste aufgeführt sind, nach der die Tester bewerten.

Folgte man ihrer Logik, dann wäre die Idealform menschlicher Ernährung wohl der Inhalt eines Tütchens Astronautennahrung: alles drin, was man so braucht an Mineralien, Vitaminen, Spurenelementen und Kalorien. „Sehr gut“ garantiert, weil hinter jedem Posten ein nettes, elegantes Häkchen steht.

Gerade das aber ist es nicht für die Bio-Szene, gerade so wollen wir auch unsere Hunde nicht ernähren! Bio ist eben mehr – ist auch der Blick zum Nutztier, zu seinen Lebensbedingungen (und denen seines Sterbens). Als „äußerst traurig“ empfinden es die Biopur-Geschäftsführer Andrea und Heinz Sebastian denn auch, „dass es in dem Test keinerlei Untersuchungen auf bedenkliche Schadstoffe und Rückstände wie zum Beispiel Antibiotika, Hormone, Pestizide, etc. gibt.“

Und weiter: „Die Verbraucher erhalten keinerlei Information, ob die Hersteller Tierversuche in Auftrag geben, oder selbst machen. (...) Ebenso wird nicht untersucht, woher die Rohstoffe stammen. Bei Fleisch wäre zum Beispiel interessant, ob die Tiere in Massentierhaltung gehalten werden oder lange Tiertransporte ertragen müssen.“


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